Dirk Wippern – beratung & coaching

"Begleitung von Menschen und Organisationen in die Digitale Transformation"


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Dialog auf Augenhöhe – Das Netz und der Arbeitsmarkt

Anfang November darf ich beim Bitkom in Köln einen Impulsvortrag zum Thema: „Verschwindet der Arbeitsmarkt im Netz?“ halten. Zusammen mit Referenten, die vornehmlich aus der Personaler-Szene kommen, werden wir das Thema von unterschiedlichen Standpunkte aus betrachten.

Ich denke schon länger darüber nach, was ich dazu beitragen kann. Einerseits bin ich als (noch) Geschäftsführer (bis 31.10.2011) bei INFOnline kein Personaler, anderseits kümmere ich mich natürlich auch um Einstellungen und bin privat und beruflich im Netz aktiv.

Also mache ich das, was ich am besten kann: Ich erzähle von meinen Erfahrungen, die ich im Zusammenhang mit „Arbeitsmarkt & Internet“ in den letzten Jahren gemacht habe.

Die Geschäftsführerposition bei INFOnline ist mir 2004 über Xing angeboten worden. Meine zukünftige Position bei Globalpark habe ich ebenfalls über „mein Netzwerk“, das ich seit vielen Jahren off- und online pflege, bekommen. Daraus könnte ich schließen, dass bei Fach- und Führungskräften die Vermittlung von Jobs über Netzwerke erfolgt und funktioniert.

Bei INFOnline haben wir ebenfalls einige Kollegen über das Netz akquiriert oder sind auf interessante Profile aufmerksam gemacht worden (z.B. über eine Empfehlung aus einer Foto-Community).

Allerdings: Das ist nur die „transaktionale Sicht„. Hier werden Profile, Stellenanzeigen oder -gesuche einfach in das Netz „verlängert“ und verbreitern somit die traditionellen Wege, neue Mitarbeiter zu finden.

Spannend wird es dann, wenn man jenseits der transaktionalen Sicht auf das Netz schaut: Mittlerweile ist die Entwicklung des Internets zum „sozialen Netz“ nicht mehr aufzuhalten. Überall wird geredet und geschwatzt. Kein Artikel bleibt unkommentiert, kein Politiker kann sich seiner Doktorarbeit noch sicher sein, kein Hersteller kann Produktfehler verschleiern.

Dabei geht es nicht nur um die Platzhirsche wie Facebook, Google+, Twitter und all die anderen social networks, sondern auch um Bewertungen bei Amazon, Kommentare bei Holidaycheck, Empfehlungen bei Globetrotter oder die Arbeitgeberbewertung bei kununu. Jeder kann sich einbringen, bewerten, seine Meiung sagen. Vor allen Dingen kann er dieses sehr schnell einem großem Publikum mitteilen. Das ist der entscheidende Unterschied zu der guten alten Zeit: Geredet wurde schon immer, bloß die Zahl der Zuhörer kann im sozialen Netz dramatisch größer sein, als früher am Tresen, in der Schule oder im Sportverein.

Wie schon die klugen Vordenker 1999 im „cluetrain manifesto“ beschrieben: Das Netz wird eine „human to human communication“ ermöglichen. Menschen reden mit Menschen. Das bedeutet für mich, dass nicht nur in der Werbung und im Marketing ein Umdenken hin zu authentischer Kommunikation einsetzt, sondern ganz besonders auch im Personalwesen. Der kritische Konsument ist eben auch gleichzeitig potentieller Mitarbeiter und kann sich in dieser Rolle den gleichen Instrumenten bedienen, die er auch als Verbraucher nutzt, um Lob und Tadel im Web zu verbreiten.

Wenn wir tatsächlich einen „war for talents“ oder Fachkräftemangel haben und sich die gut qualifizierten Arbeitnehmer aussuchen können, wo sie arbeiten wollen, dann braucht es mehr, als Hochglanzbroschüren und blutarme „Firmen-Philosophien“, bei den der Mensch im Mittelpunkt steht, aber die Chefs ihre „Untergebenen“ regelmäßig anbrüllen und haarklein kontrollieren.

Die Beschallung der potentiellen Menschen mit Marketing-Hülsen wird einer ehrlichen und einfachen Kommunikation weichen müssen. Alles, was sich aus Sicht von neuen Mitarbeitern als nicht wahr oder sehr stark übertrieben herausstellt kann heute gnadenlos kommentiert werden und so weitere potentielle Bewerber abschrecken.

Somit hält hier ebenso der Transparenzgedanke Einzug, der schon KTG (guttenplag) zu Fall gebracht hat oder Dell zwischenzeitlich Umsatzrückgänge (Jeff Jarvis) verschafft hat und sogar bei Nestlé für schlechte Stimmung gesorgt hat (Anti-Kitekat-Kampagne). Blöd nur, dass die meisten Unternehmen überhaupt nicht darauf eingestellt sind und sich nicht oder nur unzureichend um diesen Paradigmenwechsel kümmern.

Wie könnte es gehen?

  • Was wäre, wenn z.B. Azubis in einem Unternehmen einen eigenen Blog schreiben und über ihrer Erfahrungen im Unternehmen berichten?
  • Was wäre, wenn Bewerber nicht mit der Personalabteilung, sondern direkt via Facebook, Xing oder Blogs mit ihren potentiell neuen Kollegen sprechen können?
  • Was wäre, wenn das Image des Unternehmens nicht durch die Marketingabteilung, sondern durch bloggende und twitternde Mitarbeiter geschaffen wird?
  • Was wäre, wenn die Chefs sich ihre Mails nicht mehr ausdrucken lassen, sondern ihrem Unternehmen ein Gesicht und ein Herz geben, indem sie selbst einen Blog oder eine Facebookseite schreiben?

„Geht nicht, kennen wir nicht, haben wir so noch nie gemacht und ausserdem verlieren wir die Kontrolle.“ – das sind die stereotypen Antworten auf solche Ideen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber ich höre immer wieder: „Klingt interessant, geht bei uns aber nicht, weil ….“

Ich meine: Es muss gehen, wer nicht den Dialog auf Augenhöhe ehrlich sucht, wird zukünftig den Wettbewerb um gute Leute verlieren.

  • Wer nicht anständig mit seinen Leuten umgeht, für den wird es immer schwerer, gute neue Mitarbeiter zu finden.
  • Wer Transparenz und Mitarbeiterorientierung nur in Hochglanzbroschüren bewirbt, wird entlarvt und zukünftig durch Nichtbeachtung gestraft.
  • Wer seine Organisation zukünftig nicht von Herrschaftswissen auf „Wissen-teilen“ umstellt, wird es schwer haben, gute Leute zu gewinnen.

Gerade der letzte Punkt liegt mir persönlich sehr am Herzen:

Wir haben bei INFOnline 2009 beschlossen, uns auf den Weg zu einem „Enterprise 2.0“ zu machen. Dabei geht es u.a. darum, dass geteiltes Wissen einen deutlich größeren Wert hat, als Expertenwissen, was nicht preisgegeben wird. Wir haben einen langen Prozess gestartet, der alle Mitarbeiter motivieren soll, sein Wissen in Blogs, Wikis mit anderen zu teilen und auch die Kommunikation mit externen Partner und Kunden einzubeziehen.

Sehr wichtig war die Entscheidung, interne Mails weitestgehend durch Blogs und Wikis zu ersetzen, die für jeden einfach über den Browser zu bedienen sind. Mittlerweile sind aus den E-Mail-Silos, in den das Wissen oft jahrelang liegt, ohne genutzt werden zu können viele verschiedene Informationsberge und -hügel geworden, die allen offen stehen und zunehmend als „Betriebssystem“ von INFOnline funktionieren.

Der nette Nebeneffekt: Deutlich weniger Mails, weniger Besprechungen und mehr Transparenz – so habe ich zum Beispiel alle Mitarbeiter immer sofort über neue Entwicklungen bei der Suche nach meinem Nachfolger über eine Wiki Seite informiert.

Und zu guter letzt: Wir können innerhalb der Organisation üben, lernen und Fehler machen. Der nächste Schritt muss es nun sein, INFOnline auch nach Aussen ein Gesicht zu geben und möglichst viele Mitarbeiter dazu zu animieren, ihre erlernten Fähigkeiten (bloggen, twittern) auch im Netz einzusetzen, um sich selbst und dem Unternehmen eine guten Reputation zu verschaffen.

Und nun?: Unternehmen müssen sich grundsätzlich verändern! Herrschaftswissen abzubauen bedeutet, Informationen hierarchiefrei zur Verfügung zu stellen, damit alle darüber nachdenken können. Mitarbeiter zu Botschaftern für das Unternehmen zu machen, bedeutet Kontrollverlust. Mitarbeiter zu Überzeugungstätern zu machen, bedeutet, sie fair und gut zu behandeln und sie zu fordern und zu fördern. Das wirkt sich dann auch auf Bewerber aus: Wenn potentielle Kollegen begeisterte Markenbotschafter in eigener Sache sind, hat man schon sehr viele gute Argumente auf seiner Seite!


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Zeitsouveränität und flexibles Arbeiten – geht das auch als Angestellter?

Ich bin ein glühender Anhänger der Idee des „Freiangestellten“, die von Markus Albers in seinem Buch „Morgen komm ich später rein“ beschrieben wird (das Buch kann ich wirklich empfehlen).

Die Idee dahinter ist, dass ein „Wissensarbeiter“ eigentlich nur einen Rechner und eine Internetanschluss benötigt. um arbeiten zu können und sich somit von der reinen Anwesenheitskultur freimachen kann. Damit sollte es doch sehr einfach sein, mit alten Gewohnheiten zu brechen und die altbewährte „9 to 5“ Mentalität abzulegen und gegen ein flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten zu tauschen.

Meine Erfahrungen sind allerdings, dass viele Organisationen zwar ihre Webseite mit der schönen neuen Arbeitswelt „bespielen“, sich aber in der Umsetzung sehr schwer tun (und z.B. Homeoffice nur auf Antrag genehmigen oder nach wie vor eine Zeitverschreibung haben). Auch viele „Freiangestellte in spe“ wollen sich nicht so leicht von ihren Glaubensätzen abbringen lassen, dass eine möglichst lange Anwesenheit im Büro mit Leistung gleichzusetzen ist. Immerhin haben wir das so über Jahrzehnte gelernt und von unseren Eltern überliefert bekommen. Schließlich sind da noch die Chefs, die oft „Kontrollfreaks“ sind und ihre „Untergebenen“ auch so führen. Am Ende müssen also nicht nur Chefs überzeugt werden, es sind oft gerade die Mitarbeiter, die sich sehr schwer mit der Unmsetzung dieses Gedankens tun.

Und jetzt? Ist das nun die nierderschmetternde Analyse eines verzweifelten „Freiangestellten“ der das flexible Arbeiten über alles schätzt, selber Chef ist und sich wundert, wie schwer sich die Umwelt damit tut?

Vielleicht, aber ich bin nicht bereit, die Idee aufzugeben!

Ich glaube einfach, dass das Folgende richtig ist:

  1. Menschen sind grundsätzlich intrinsisch motiviert, wollen gute Leistungen bringen und sich im Sinne ihres Unternehmens oder ihrer Organisation einsetzen – ich muss sie also nicht ständig kleinteilig kontrollieren. Ich muss aber dafür sorgen, dass jeder weiss, was von ihm erwartet wird und für welchen Aufgaben er / sie die Verantwortung trägt.
  2. Menschen sind zufriedener und leistungsfähiger, wenn sie selber bestimmen können, wie sie ihre verschiedenen Lebenswelten unter einen Hut bringen – ich kann es also meinen Mitarbeitern überlassen, ob sie die Kinder nachmittags von der Schule abholen und danach arbeiten oder einen Einkauf am Vormittag erledigen, weil es dann schneller geht oder ins Büro kommen, wenn der Stau sich wieder aufgelöst hat.
  3. Menschen sind im Büro oft gar nicht kreativ und produktiv – Störer wie Kollegen, Telefon und „Spontanbesprechungen“ sind Garanten für viele Unterbrechungen und einen ständigen Neustart der Aufgabe an der wir gerade arbeiten. Ich darf also hinterfragen, wieso die Leute nicht einfach dort arbeiten, wo sie es am besten können.
  4. Menschen geben den Vertrauensvorschuss durch Loyalität und gute Leistungen wieder zurück. Natürlich kann das System auch ausgenutzt werden. Aber: Schlechte Leistungen und Illoyalität gibt es immer und in allen Systemen.

Ich meine damit nicht, dass jeder nur noch sozial isoliert, verlottert und stinkend in seiner vermüllten 2-Zimmerwohnung arbeitet und sich einen Anzug anzieht, mit dem Bus um den Block fährt, um dann wieder im Homeoffice anzukommen nur um einen Arbeitsweg zu simulieren, wie es Verena Meyer eindrucksvoll im Tagesspiegel schreibt.

Ich meine, dass jeder für sich herausfinden muss, unter welchen Bedingungen er / sie den besten Interessensausgleich zwischen den Lebenswelten herstellen kann und gute Leistungen erbringen kann. Das ist für mich die Basis für persönliche Zufriedenheit und ein langfristiges Engagement in Unternehmen. Das kann aber nur jeder selbst tun und die Unternehmen können die Rahmenbedingungen setzen, in dem sie ihre Mitarbeiter wie richtige Erwachsene behandeln, die autonom entscheiden.

Hier wünsche ich mit mehr Mut und Offenheit auf beiden Seiten: Chefs sollen ruhig einmal testen, wie sich das anfühlt, die vermeintliche Kontrolle zu verlieren ( es muss ja nicht gleich so furchtbar sein, wie in diesem Video) und Mitarbeiter sollen einmal erfahren, wie es ist, an ungewöhnlichen Orten zu arbeiten oder zu Zeiten einzukaufen, in denen nichts los ist, ohne dafür Urlaub nehmen zu müssen.

Wichtig ist: Nichtanwesenheit im Büro ist kein Zeichen für Faulheit – vielleicht ist der Kollege gerade beim Sport und denkt über das nächste Produkt nach oder hat eine zündende Idee, wie das Projekt doch noch erfolgreich beendet werden kann.

Andererseits: Bürozeiten sind natürlich immer noch wichtig. Besprechungen oder Abstimmungen zu Projekten funktionieren immer noch am besten, wenn man sich gegenüber sitzt. Aber vielleicht geht es ja alles ein wenig offener und flexibler. Dafür werde ich weiter werben und ich werde auch als Chef meine Mitarbeitern weiterhin anspornen, sich auch in dieser Hinsicht weiter zu entwickeln.

Meine Erfahrung bei der konkreten Umsetzung dieses Prinzips: Es geht sehr gut, die Leistungen des Unternehmens steigen, die Fluktuation bleibt niedrig, das Unternehmen wird für neue Mitarbeiter attraktiver, die meisten Mitarbeiter kommen gut damit zurecht, eigenverantwortlich zu handeln. Die, die das System ausnutzen, werden schnell sichtbar und müssen ihr Verhalten korrigieren. Das Büro ist nie ganz leer (das ist auch nicht das Ziel) aber jeder kann entscheiden, wo und wann er / sie arbeitet. Es gibt noch organisatorische Einschränkungen (z.B. Anwesenheit im Telefonsupport) aber im Großen und Ganzen sind alle zufrieden und die meisten wollen nicht mehr anders arbeiten – was wiederum eine echte Herausforderung für potentielle neue Arbeitgeber ist.

Noch ein Tip für die Chefs: Lebt es vor, geht nicht ins Büro, wenn Ihr woanders besser arbeiten könnt und sowieso keine Zeit für Gespräche und persönliche Kontakte habt. Schreibt in Eure Kalender, dass ihr beim Sport seit oder am Nachmittag zu Hause oder im Cafe arbeitet. Und vergesst nie: Ein Smartphone und ein Notebook kann man auch getrost einmal auslassen oder stumm schalten ;-).

Hier gibt es noch ein interessantes Interview von Markus Albers im Cafe Einstein in Berlin aus dem Jahr 2008:


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Ein Blog für Alle(s) – der Schulblog ist gestartet

Ich hatte an dieser Stelle schon berichtet, dass wir an unserer Grundschule einen Blog aufsetzen wollen, um die Informationsversorgung zu verbessern.

Jetzt ist es das auch tatsächlich passiert. Unter http://www.laurentiusschule.wordpress.com können sich nun alle, die etwas mit unserer Schule zu tun haben, über das aktuelle Geschehen informieren. Die Schulleitung ist auch schon fleissig dabei, Inhalte einzustellen. Dabei wurde schnell klar, dass eine enorme Zeitersparnis zu verzeichnen ist: Sobald die Nachricht erstellt ist, ist sie ja bereits verteilt und für alle sichtbar. So entfällt der komplette Verteilprozess und zum größten Teil auch der Druck- und Kopieraufwand.

Vor den Ferien haben wir noch kräftig Marketing für den Blog gemacht und bereits mehr als 35 feste Abonnenten gewonnen. Auch die Zugriffszahlen haben sich positiv entwickelt. Nach den Ferien wollen wir weitere Redakteure aufschalten und mittelfristig 80% der Eltern (150) als regelmäßige Leser für den Blog gewinnen.

Auch in diesem Fall ist wieder klar geworden: Ohne die Unterstützung der Leitung und ohne relevante Inhalte, die schnell veröffentlicht werden, ist ein solches Konzept nicht erfolgreich umzusetzen. Ich bin sicher, dass im nächsten Schuljahr auch die kritischen Stimmen aus der Lehrerschaft überzeugt werden können dieses Instrument einzußetzen.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht und werde hier berichten.


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„Ein blog für Alle(s)! Unsere Grundschule lernt bloggen…

Am Wochenende habe ich ein Konzept geschrieben, dass das Informationsmanagement an unserer Grundschule auf neue Füsse stellen soll. Die Idee ist, dass alle „stakeholer“ über einen zentralen blog Informationen einstellen und diese dann von allen, die es interessiert gelesen und kommentiert werden können. Dazu gibt es auch einen Demo-blog (mit „Spieldaten“) auf wordpress.com zu sehen.

Klingt einfach? Ist es (technisch) auch, wenn da nicht die Themen wären, die man immer hat, wenn es um Change Management geht. Denn nichts anderes ist das: Es geht darum langfristig die papierbasierte, seit Jahrzehnten etablierte Informationsverteilung in einen Dialog zu verwandeln, der Lehrer, Eltern, OGS-Mitarbeiter, Fördervereins-Vorstände und alle, die sonst noch mit der Schule zu tun haben, in ein digitales Boot holt.

Ich höre schon die ersten Rückmeldungen: „Klingt gut, aber wer soll das denn alles schreiben? Wir haben so viel zu tun … das können wir nicht .. das dürfen wir nicht … das wollen wir nicht …“

Ich hoffe sehr, dass ich diesen Prozess noch weiter begleiten darf (was ich ehrenamtlich gerne machen will) und das „go“ von der Schulleitung bekomme. Ich weiss von vielen (engagierten) Eltern, dass sie sich eine bessere Infoversorgung wünschen und bin überzeugt, dass auch innerhalb der Schule viel Zeit gespart werden kann, wenn Informationen zukünftig nicht auf Zettel gedruckt werden, sondern schnell und aktuell in unserem blog stehen. Vielleicht werden dann sogar auch die Eltern am Ende überzeugt sein, die heute noch nicht einmal bereit sind, ihre Mailadresse herzugeben und sich weiterhin mit Papier bedienen lassen (weil es immer so war…).

Ganz davon abgesehen habe ich gelernt, dass allein durch die Verfügbarkeit von Informationen, die vorher nicht vorhanden waren, sich ganz viele interessante Dinge entwickeln können, die die Schule dann wieder in Projekte / Verbesserungen umsetzen kann.

Ich werde an dieser Stelle berichten, wie es weiter geht.


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Das iPad als Papierkiller: Ich habe mein Notizbuch abgeschaft.

Jetzt ist es passiert: Ich habe mich von meinem geliebten Moleskine getrennt.
Das iPad hat jetzt auch den letzten Winkel meines Daseins erreicht und mir auch noch das letzte genommen, was mich noch an die gute alte Kohlenstoffzeit erinnerte.

Seitdem ich noteshelf im Appstore gefunden habe, schreibe ich Ideen, Gedanken oder schnelle Notizen einfach mit dem Finger in das Notizbuch. Selbst eine Grußkarte habe ich schon schnell gemalt und direkt an einen guten Freund gemailt.
Mit pages, numbers, keynote, mindHD und noteshelf sind die Werkzeuge, die ich täglich brauche, jetzt komplett. In Verbindung mit der Dropbox, die über dropdav mit allen Apps verbunden ist, ist auch das Verwalten von Dateien kein Thema mehr.

Gerade auch für meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Schule hilft mir das iPad Zeit zu sparen. Sitzungsprotokolle werde live in pages geschrieben, mit den anderen Teilnehmern abgestimmt und direkt versendet. Egal wo ich bin kann ich auf meine Mails und Kalender und, selbstredend, auf das Internet zugreifen.

Auch im Beruf ist das iPad eine echte Erleichterung: es wiegt einen Bruchteil des Notebooks und kann es auf Geschäftsreisen ersetzen. Die Exchange-Integration ist perfekt. Präsentationen gelingen mittels VGA- oder HDMI-Adapter und sogar der Zugriff auf unser Sharepoint basiertes Portal klappt über die CISCO-Anyconnect-VPN-App wunderbar. Wenn der Safaribrowser des iPad jetzt noch den Richtext Editor der Sharepoint Wikis und Blogs erkennt, ist alles super. Beiträge in Sharepoint Wikis zu schreiben geht leider nicht, weil das iPad einfach keine Tastatur einblendet (irgendwas ist da nicht kompatibel…).

So, jetzt ist es raus. Ich will das iPad nicht mehr missen und werde es auch zukünftig als hoffentlich treuen Begleiter überall hin mitnehmen. Selbst im Campingurlaub ist das Ding sehr zu gebrauchen: Bücher lesen ohne Taschenlampe ist echter Luxus auf dem Campingplatz 😉


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Schule und Twitter – großartige Idee?

In der Zeit online las ich letzte Woche, dass ein Lehrer in der Oberstufe Twitter im Unterricht genutzt hat, um über ein Gedicht von Henry Miller zu diskutieren. Alle Schüler konnten, während der Lehrer das Gedicht vortrug, live via Twitter kommentieren. Die Kommentare wurden dann in einer Twitter-Wall angezeigt und als Basis für den Diskurs über das Werk genutzt. Der Lehrer wollte über diese Methode die Beteiligung der Schüler erhöhen und die Qualität der Auseinandersetzung mit dem Text verbessern. Was er nicht wollte, war den Diskurs über das Gedicht nur auf Twitter zu beschränken.

Wenn ich die Leser-Kommentare lese, fällt mir auf, dass viele Kommentatoren Twitter (und seine Möglichkeiten) nicht verstanden haben und es irgendwie auf ein Blödsinns-Tool für extrovertierte Gehirnamputierte reduzieren. Dabei verkennen Sie die Chancen, die ein solcher Ansatz bietet:

  • jeder kann seinen Beitrag leisten
  • 140 Zeichen erfordern Prägnanz und Klarheit
  • Alle Kommentare sind allen zugänglich und sie sind dokumentiert
  • Es ist neu und neue Dinge erweitern den Horizont und die Erfahrungswelten und machen beweglich

Ich begrüße solche Ansätze und wünsche mir mehr davon. Warum nicht auch einmal Twitter nutzen, um Eltern über Aktuelles in der Schule zu informieren? Wenn ich solche Vorschläge auf Elternabenden mache, ernte ich meistens unverständliche Blicke verbunden mit einer großen Portion Misstrauen. Das finde ich Schade, weil es am Ende allen zu Gute käme, wenn wir die Möglichkeiten der digitalen Welt konsquenter nutzen würden.

Sehr interessante Gedanken zu Schule und digitalen Medien finden sich im Blog des Koblenzer Geschichtslehrers Daniel Eisenmenger, der auch im Zeit-Artikel erwähnt wird.

Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, dieses Thema im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements an der Schule meiner Kinder immer wieder aufzugreifen.


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Hier irrt Herr Kieser

Seit mehr als zwei Jahren bin ich begeisterter Anhänger des Kieser-Trainings und trainiere ein- bis zweimal in der Woche. Die Effekte sind spürbar: Keine Rückenschmerzen mehr, leichte Gewichtsabnahme, keine Schulterprobleme mehr beim Schwimmen und ein gesteigertes allgemeines Wohlbefinden.

Ich teile auch die Auffassungen des Gründers Werner Kieser zu medizinischer Kräftigungstherapie und deren Einfluss auf das körperliche und geistige Wohlbefinden. Auch wünschte ich mir, dass Prävention in unserer Gesellschaft endlich vor Behandlung käme und die Leute endlich mehr Verantwortung für ihren Körper übernähmen. Auch glaube ich, dass die meisten Ärzte viel zu wenig über die Effekte und Möglichkeiten des medizinischen Krafttrainings wissen und so viele Patienten lieber mit Medis und kurzfristigen Therapien oder gar unnöitgen OPs abspeisen, anstatt sie für den eigenverantwortlichen, aber auch anstrengenden Weg zu begeistern.

Was ich nicht teile, ist Werner Kiesers Meinung, die er im Editorial der aktuellen Kundenzeitschrift „reflex“ kund tut (reflex.kieser-training.com):

Es geht um Smartphone-Apps und das Kieser Apps doof findet, weil Apps Instruktoren nicht ersetzen können man doch lieber weiterhin Papier und Klemmbrett zur Protokollierung nutzen soll.

Schade! Denn hier habe ich gänzlich andere Erfahrungen gemacht: Die iPhone App „track it“ erlaubt es, das individuelle Trainingsprogramm festzulegen und zu jeder Übung die persönlichen Einstellungen der Maschinen mit eigenen Notizen zu hinterlegen. Eine Stoppuhr sowie eine optische Darstellung der richtigen Übungsgeschwindigkeit vervollständigen die App und machen sie zu einem wertvollen Begleiter. Selbstverständlich werden auch Auswertungen (Kraft- Zeitkurven) und Hinweise (z.B. „Bitte Termin für Kontrolltraining vereinbaren“) angeboten und wenn ein Kontrolltraining ansteht, dann wird der Plan vorher im Kieser-Style ausgedruckt.

Ich habe seit einigen Monaten auf das App-Training umgestellt und kann für mich nur Vorteile erkennen:

  • nie mehr die Karteikarte suchen oder am Schrank anstehen.
  • auch auf Reisen ist der Trainingsplan immer dabei.
  • die exakte Ausführung der Übungen wird sehr gut unterstützt.
  • die persönliche Entwicklung wird über die Kraft- Zeitkurven automatisch dokumentiert.

Vielleicht wird es doch noch irgendwann eine offizielle Kieser-App geben. Neben der Trainingsunterstützung ist eine App doch auch ein tolles Kundenbindungsinstrument. Wenn ich mir vorstelle, was mit iPad & iPhone alles machbar ist, dann fallen mir auf Anhieb eine Menge von Anwendungsfällen ein…

Übrigens: Die beste Ehefrau von allen nutzt die App auch und ist ebenfalls begeistert – das sind also 100% 😉